Fragt man drei Experten nach dem Wert eines Unternehmens, erhält man oft drei verschiedene Zahlen. Das liegt nicht an Ungenauigkeit, sondern an unterschiedlichen Methoden und Annahmen. Wer sie kennt, versteht Bewertungen besser und kann in Verhandlungen besser argumentieren.
Multiple-Methode
Der Unternehmenswert ergibt sich aus einer Kennzahl – meist EBIT oder Umsatz – multipliziert mit einem marktüblichen Faktor.
- Vorteile: schnell, marktnah, leicht verständlich
- Nachteile: grob, abhängig von der Qualität der Vergleichsfaktoren
- Einsatz: erste Einschätzung, Verhandlungen bei kleinen und mittleren Unternehmen
Unser Bewertungsrechner arbeitet mit dieser Methode. Mehr Details erklärt der Beitrag zum EBIT-Multiple.
Ertragswertverfahren
Hier werden die künftig erwarteten Gewinne mit einem Zinssatz auf den heutigen Tag abgezinst. Der Zinssatz spiegelt Risiko und Alternativanlagen wider. In Deutschland ist das Verfahren nach dem Standard IDW S 1 bei Gutachten verbreitet; auch das vereinfachte Ertragswertverfahren für steuerliche Zwecke basiert auf diesem Gedanken.
- Vorteile: zukunftsorientiert, theoretisch fundiert
- Nachteile: stark abhängig von Planannahmen und Zinssatz
- Einsatz: Gutachten, Erbschaft und Schenkung, Streitfälle
Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF)
Ähnlich wie das Ertragswertverfahren, aber auf Basis der freien Cashflows statt der Gewinne. International verbreitet, vor allem bei größeren Unternehmen und Investoren.
- Vorteile: berücksichtigt Investitionen und Finanzierung genau
- Nachteile: aufwendig, sensibel bei langfristigen Annahmen
- Einsatz: größere Transaktionen, Finanzinvestoren
Substanzwertverfahren
Bewertet wird, was im Unternehmen steckt: Maschinen, Gebäude, Vorräte, Forderungen abzüglich Schulden. Es beantwortet die Frage, was es kosten würde, das Unternehmen nachzubauen – oder was bei einer Auflösung übrig bliebe.
- Vorteile: greifbar, gut belegbar
- Nachteile: ignoriert Ertragskraft, Kundenstamm und Know-how
- Einsatz: ertragsschwache Betriebe, Untergrenze für den Preis, Immobilien-lastige Unternehmen
Welche Methode ist die richtige?
Für die meisten Verkäufe kleiner und mittlerer Unternehmen gilt in der Praxis:
- Die Multiple-Methode liefert die Marktorientierung.
- Das Ertragswertverfahren prüft, ob der Preis durch künftige Gewinne gedeckt ist.
- Der Substanzwert zeigt, was mindestens vorhanden ist.
Der tatsächliche Kaufpreis entsteht am Ende in der Verhandlung – zwischen dem, was der Verkäufer mindestens erwartet, und dem, was der Käufer höchstens zahlen kann.
Fazit
Jede Methode beleuchtet den Unternehmenswert aus einem anderen Blickwinkel. Für eine schnelle, marktnahe Einschätzung starten Sie mit dem kostenlosen Bewertungsrechner. Für Verhandlung und Vertrag lohnt sich eine fachliche Bewertung.
Allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Lassen Sie Ihren konkreten Fall von Steuerberater, Rechtsanwalt oder M&A-Berater prüfen.
Allgemeine Informationen, keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Eine individuelle Prüfung durch qualifizierte Fachleute bleibt erforderlich. BetriebsBörse vermittelt Kontakte und wickelt keine Finanztransaktionen ab.



